„Älterwerden heißt…“ – Seniorenfrühstück mit Prof. Dr. Annelie Keil

„Älterwerden heißt neu werden, neugierig bleiben und Abschiede leben lernen“, so lautete der Vortrag von Prof. Dr. Annelie Keil beim Seniorenfrühstück in Wollingst

Susanne Puvogel bedankt sich bei Prof. Dr. Annelie Keil
Susanne Puvogel bedankt sich bei Prof. Dr. Annelie Keil Bild: privat

„Älterwerden heißt neu werden, neugierig bleiben und Abschiede leben lernen“, so lautete der Vortrag von Prof. Dr. Annelie Keil bei einem Seniorenfrühstück in Wollingst, zu dem die Bundestagskandidatin der SPD Susanne Puvogel eingeladen hatte. Über 50 Senioren und Seniorinnen waren ihrer Einladung gefolgt.

Wer leben will, muss älter werden


Gewohnt honorig und selbst  reflektierend erzählte Annelie über das Älterwerden und den Umgang damit und begeisterte ihr Publikum. Die Frage, die sich dabei aus ihrer Sicht stellt: Was hat die ältere Generation noch für Aufgaben? Und stellt ganz klar fest, wer leben will muss älter werden.

Ein Schwerpunkt ihres Vortrages bezog sich auf die Erkrankung mit Demenz im Alter. Wie orientiert man sich, wenn einem nicht mehr alles an Sinnen und körperlichen Bewegungsmöglichkeiten zur Verfügung steht? Aber auch, wie ist es, wenn man plötzlich arm geworden ist? Sei es aus Altersgründen oder weil man arbeitslos geworden ist.

Neu werden heißt für Annelie Keil, sich von äußeren Zwängen und von Vorurteilen frei zu machen.

Aber auch neugierig bleiben auf andere Menschen auf das Leben. Älter werden heißt, sich neu orientieren, neu werden.

Betreuung und Pflege für das Altern in Würde

Bei Demenzkranken sind Lieder gute Anknüpfungspunkte. Keil berichtete von Erfahrungen aus Pflegeheimen, die für ihre Demenzkranken CD‘ s mit deren Lieblingsliedern aufgenommen haben, die abgespielt werden können, wenn die Patienten plötzlich aggressiv oder verzweifelt sind.

In diesem Zusammenhang wies sie darauf hin, wie wichtig Vorbilder und Erfahrungen für Menschen im Alter sind. Dadurch entstehen Brücken und neurologische Inseln, die insbesondere dementen Menschen helfen, sich in ihrem neuen Alltag zurecht zu finden.

Dabei machte Annelie Keil sehr deutlich, dass es nicht nur schlechte Verhältnisse in den Senioren- und Pflegeeinrichtungen gibt. „ Es gibt hervorragende Altenheime. Wir sollten aber darauf achten, dass nicht weiter Seniorenheime in Ketten privatisiert werden.“ In diesem Zusammenhang verwies sie auf Konzepte von Häusern, die z.B. für ihre Heimbewohner immer ansprechbar sind. Und zwar nicht nur im Notfall, sondern vor allem auch im „Lustfall“.

Leben muss immer neu ausgehandelt werden. Das sei im übrigen auch ein wichtiges Instrument für die politische Arbeit.

Sehr eindrücklich verwies Keil darauf, dass älter werden immer auch Wandlung bedeutet, geistig, kulturell und gesellschaftlich. Es gäbe keine Möglichkeit, zu überleben, wenn wir uns nicht weiter entwickeln.

 

„Das Leben hat uns nichts versprochen“

Prof. Dr. Annelie Keil bei ihrem Vortrag über das "Älter werden"
Prof. Dr. Annelie Keil bei ihrem Vortrag über das „Älter werden“ Bild: privat

Abschließend spannte sie den Bogen zu ihren Kernthesen. Das Leben hat uns nichts versprochen und ist auch nicht gerecht. Dafür ist die Politik zuständig, verwies sie mit einem Augenzwinkern zu der Kandidatin, die sich das Thema Gerechtigkeit auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Aus ihrer Sicht ist es wichtig, das eigene Leben anzunehmen und als solches zu begreifen. Wenn man nicht zufrieden sei mit seinem Leben, dann sei es eben die eigene Aufgabe, daran etwas zu ändern.

Das schlimmste, das ihr ihrer Hospizarbeit manchmal begegnet, seien Menschen, die im Sterben liegen, ihr Leben bereuen und keinen Sinn in ihrem Leben sehen.

Denn das ist für Annelie Keil die Grundvoraussetzung für Leben, sich ein Leben lang immer wieder die Frage zu stellen, was ist an meinem Leben noch sinnvoll? Auf Veränderungen zu reagieren, in dem man Entscheidungen trifft, immer wieder seine eigene Position findet und nie mit dem Denken aufhört.